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Am 16.07.2010 war es endlich so weit:
Unsere Fahrt nach Weißrussland konnte beginnen. Jeder von uns hatte sich
gründlich vorbereitet, sich im Internet über Land und Politik informiert und
das ein oder andere Wort Russisch aus Schultagen hervorgekramt.
Doch zunächst standen wir vor der Herausforderung das gesamte Gepäck der sechs
TeilnehmerInnen zu verstauen. Auch hatte jeder von uns eine Vielzahl von
Geschenken, wie Süßigkeiten, Spielsachen und Souvenirs aus der Sächsischen
Schweiz besorgt.
In dem vom ASB
Neustadt gesponserten Kleinbus fand sich jedoch genügend Raum, sodass wir
nichts zurücklassen mussten. Nachdem das Navigationsgerät programmiert und
Proviant griffbereit war, ging es auf in Richtung polnische Grenze. Uns
erwartete eine 25-stündige Reise auf der wir ca. 1400 km zurücklegen sollten.
Mit beinah melancholischem Blick beobachteten wir, wie sich mit zunehmender
Entfernung die Landschaft veränderte. Felder, Wiesen und Wälder machten nur
selten Platz für kleine freundliche Ortschaften. Einige Male machten wir Halt,
um uns die Beine zu vertreten oder Kleinigkeiten an einer Raststätte zu kaufen.
An Schlaf war kaum zu denken. Viel zu groß war die Aufregung auf unser Weißrussland-Abenteuer.
Am Samstag, den 17.06.2010 erreichten wir müde und geschafft jedoch glücklich
unser Ziel. Es war schon spät am Abend und nach einem reichhaltigen Abendbrot
konnten die Zimmer bezogen werden und alle freuten sich auf einen erholsamen
Schlaf. Am nächsten Morgen
bekamen wir einen weiteren Vorgeschmack auf die weißrussische Gastfreundschaft.
Wo wir doch zu Hause meist nur ein Brötchen frühstückten, fanden wir uns hier
an einem überaus reich gedeckten Tisch wieder, der selbst doppelt so viele
Menschen noch locker satt gemacht hätte. Doch selbst wer Morgenmuffel war
musste immer wieder zugreifen, denn die Gastgeber wachten stets darüber, dass
wir uns gründlich satt aßen, bis wir uns den Bauch hielten. Im Verlauf unseres
Aufenthaltes sollten wir bald merken, dass das keine Ausnahme war. Bei jeder
Mahlzeit wurde so viel Essen aufgetischt, wie der Tisch Platz bot. Für die
großen Bemühungen der Gastfamilien waren wir sehr dankbar, wussten wir doch,
dass es für sie sehr anstrengend war, auch wenn sie es sich nicht ansehen
ließen.
Mit vollem Magen und ausreichend Sonnenschutz
ausgestattet, nutzen wir unsere freie Zeit, um bei einem Spaziergang die Stadt
Bragin zu erkunden. Besonders beeindruckten uns die vielen Dekorationen, die mit
viel Fantasie aus verschiedensten Materialien, wie Reifen, Flaschen oder altem
Blech hergestellt worden sind. Recycling mal anders!
Wir lernten Bragin als eine
sehr saubere und freundliche Stadt mit
vielen gepflegten Grünflächen und Denkmälern kennen.
Auch die Sonne meinte es sehr gut mit uns. Bei Temperaturen
von 40 Grad half oft nur eine Abkühlung im Fluss. Während unseres ersten
Badeausflugs gesellten sich auch prompt einige Jugendliche zu uns, die sich
über den Grund unseres Aufenthaltes informieren wollten. Schnell entstand ein
langes Gespräch, denn auch wir deutschen Jugendlichen wollten viel über das
Leben in Weißrussland erfahren.
Einige Zeit saßen wir so zusammen, spielten Volleyball und
kühlten uns beim Schwimmen ab. Für den Abend verabredeten wir uns, um gemeinsam spazieren
zu gehen und anschließend die Diskothek im Ort zu besuchen. Drei Mal in der Woche wird diese von den Jugendlichen in
Bragin selbst organisiert. Im Saal des Kulturhauses dröhnt die Musik bis Punkt
Mitternacht, der weitere Abend spielt sich dann unter freiem Himmel ab. Überall
in der Stadt findet man Gruppen von Jugendlichen, ob im Stadion oder im Park. Nahezu jeden Abend trafen wir uns mit unseren neuen Freunden
und wurden nicht müde, uns voneinander zu erzählen und miteinander zu scherzen.
Ihren Einladungen, sie nachmittags zu Hause zu besuchen,
kamen wir gern nach. Dort tauschten wir Musik, und die jungen Frauen kochten
für uns typisch weißrussische Gerichte.
Renovierung des Kindergartens
Besonders gespannt waren wir
darauf, wie sich unsere Arbeit im Kindergarten des Nachbarortes Malejki
gestalten würde. Als wir im Kindergarten ankamen, waren die Bauarbeiten am Gebäude
schon in vollen Gange. Doch Bauarbeiter suchten wir vergeblich. Wie wir bei
einem ersten Rundgang mit der Leiterin erfuhren, wurden die meisten Arbeiten von
den Mitarbeiterinnen des Kindergartens selbst geleistet. Um ausschließlich
Firmen zu beschäftigen, dafür fehlte schlicht das Geld. Angesichts dieser
Tatsache und des enormen Umfangs der Arbeit waren wir sicher, dass unsere Hilfe
hier am richtigen Platz ist. Schließlich musste das gesamte Gebäude auf
Vordermann gebracht werden und Kinder wie Eltern warteten schon gespannt auf die
Wiedereröffnung. Mithilfe der Spendengelder aus Deutschland steuerten wir
Tapete, Malerwerkzeuge und Farbe bei, mit denen wir Türen, Fenster und Heizkörper
strichen. Außerdem bekamen die Holzfiguren im Garten wieder strahlende Farben. Besonders freuten sich die Mitarbeiterinnen, dass sie neue
Lampen und Jalousien kaufen konnten, da die alten schon längst ausgedient
hatten. Alles wurde farblich aufeinander abgestimmt.
Zu einem renovierten Kindergarten gehören natürlich auch
neue Spielzeuge. In einem Geschäft fanden wir einige schöne, die vor allem
auch die motorischen Fähigkeiten der Kinder herausfordern. Das Engagement und der
Erfindungsreichtum der zumeist noch sehr jungen Frauen war beeindruckend. Während
wir noch etwas verlegen und unsicher über Improvisationsmöglichkeiten
nachdachten, um die richtige Farbmischung anzurühren, legten sie einfach los.
Die braune Farbe wurde in die weiße eingerührt, und siehe
da, der Farbton für die Heizkörper stimmte!
Motiviert, in der kurzen Zeit, die uns zur Verfügung stand,
so viel wie möglich zu erreichen, wollten wir sogleich mit der Arbeit loslegen.
Zu unserer Verblüffung luden die Mitarbeiterinnen aber erst einmal zu einem
zweiten Frühstück mit Tee, Kaffee, belegten Broten und Gebäck ein.
Nach einer offiziellen Begrüßung und gegenseitiger
Vorstellung machten wir uns dann ans Werk.
Mittags freuten wir uns über
Kartoffeln, Brot, Speck sowie Gemüse und Obst aus den Gärten der Frauen. Die
herzliche und hervorragende Köchin schlossen wir vom ersten Tag an ins Herz.
Sie schaffte es immer wieder, uns mit ihrer guten Laune anzustecken, sodass die
Arbeit jede Menge Spaß machte. Gern hätten wir noch mehr bei der Renovierung
geholfen, doch auf uns wartete auch ein spannendes Kulturprogramm.
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